Q-R

Biografie Franz Radziwill

 

 

Franz Radziwill wurde am 6. Februar 1895 als erstes von sieben Kindern des Töpfers Eduard Radziwill und dessen Ehefrau Karoline, geborene Suhrendorf, in Strohausen bei Rodenkirchen in der Wesermarsch geboren. 1896 siedelte die Familie nach Bremen um. Nach dem Besuch der Volksschule in den Jahren von 1901 bis 1909 begann er eine Lehre als Maurer, die er 1913 mit der Gesellenprüfung abschloss Danach war er ein halbes Jahr als Geselle tätig.

Von 1913 bis1915 bekam er aufgrund hervorragender Prüfungsleistungen die Zulassung zum Besuch der Höheren Technischen Staatslehranstalt für Architektur in Bremen. Er besuchte Abendkurse in figürlichem Zeichnen an der Bremer Kunstgewerbeschule. In dieser Zeit entstanden erste Architekturbilder und Stillleben. Durch seinen Mentor, den Architekten Karl Schwally schloss er Bekanntschaft mit Künstlern der Künstlerkreise in Fischerhude und Worpswede. Zu ihnen gehören Bernhard Hoetger, Otto Modersohn, Heinrich Vogeler, Jan Bontjes van Beek und Olga Bontjes van Beek und Clara Rilke-Westhoff.

Im Ersten Weltkrieg nahm Radziwill von 1915–1918 als Soldat in Russland, Flandern und Nordfrankreich am Krieg teil. Dort entstandennach eigenen Angaben „mehr als fünfhundert“ Aquarelle und Zeichnungen.

1917 zeigte erauf einer ersten Ausstellung Arbeiten auf Papier zusammen mit Heinz  Baden und Heinrich Steinhagen im Kunstsalon Maria Kunde in Hamburg.

1918 – 1919 gerieter in englische Kriegsgefangenschaft in Nordfrankreich in Manacourt an der Somme. Tod seiner Brüder Heinrich und Hugo.

Im Zeitraum von 1919 – 1922 entstand sein druckgrafisches Werk. Radziwill wurde Mitglied der in Bremen gegründeten Künstlergruppe „ der grüne Regenbogen“ und arbeitete im eigenen Atelier in der Bremer Oberngasse.

1920 Beginn der Freundschaft zwischen dem Maler und dem Kunsthistoriker und Schriftsteller Wilhelm Niemeyer aus Hamburg. Aufenthalt in Berlin und  Bekanntschaft mit Karl Schmidt-Rottluff,Erich Heckel, Max Pechstein, George Grosz, Otto Dix und Rudolf Schlichter.

1921 erfolgte auf Empfehlung von KarlSchmidt-Rottluff ein erster Aufenthalt in Dangast.Hier entstanden zwei Künstlerbücher.

Nach einem zweiten Aufenthalt in Dangast im Jahr 1922 entschloss er sich, ganz in den Ort überzusiedeln. Im gleichen Jahr verstarb Radziwills Vater. Ein Jahr später heiratete er Johanna Ingeborg Haase aus Tweelbäke bei Oldenburg. Im Oktober erwarb das Paar in Dangast das Haus „Sielstraße 3“, das Haus in dem Radziwill bis zu seinem Tod lebte.

1925 reiste er erstmals in die Niederlande. Hier lernte er den Maler Mathias(Thee) Lau in Schoorl kennen, den er in den folgenden sieben Jahren regelmäßig besuchte. Durch ihn setzte er sich mit der Niederländischen Malerei des 16. bis18. Jahrhunderts auseinander. Zur gleichen Zeit entstand die lebenslange Freundschaft mit dem Oldenburger Nervenarzt Georg Düser.

Ein Stipendium Hamburger Kaufleute ermöglichte ihm 1927 einen Studienaufenthalt in Dresden. Dort lernte Radziwill Otto Dix kennen. Dieser stellte ihm eines der Ateliers der Kunstakademie zur Verfügung und malte sein Porträt. Radziwill studierte dieMalerei Caspar David Friedrichs und Carl Gustav Carus.

1928, während einer Einzelausstellung in der Chemnitzer Kunsthütte, besuchte Radziwill eine Vortragsreihe über das Thema „ Kunst und Technik“. Er erhielt die Goldene Medaille der Stadt Düsseldorf für das Gemälde „ Die Strasse“.

1931 wurde er Mitglied der Novembergruppe in Berlin. In diesem Jahr begann auch der intensive Briefwechsel mit dem Bildhauer Günther Martin, der Mitglied der NSDAP war.

Im folgenden Jahr kam es zur Gründung und Beginn einer Wanderausstellung der Gruppe Die Sieben, der neben Franz Radziwill die Künstler Theo Champion, Adolf Dietrich, Hasso von Hugo, Alexander Kanoldt, Franz Lenk und Georg Schrimpf angehören.

1932 schrieb Radziwill in einem Brief an Wilhelm Niemeyer: „Jedenfalls scheine ich als Nazi in Berlin schwer verrufen zu sein. Dieses ist mir aber bester Lohn, weiter für diese hohe Bewegung zu werben, die den schönsten Sinn hat, Deutschland! Wenn Ihr am 30. Juli zur Wahl geht, dann gebt Hitler eure Stimme.“

Am 1. Mai 1933 trat er zusammen mit Wilhelm Niemeyer und Georg Düser in die NSDAP ein. Radziwill erarbeitete mit Günther Martin ein Konzept von Gemeinschaftausstellungen, das er dem preußischen Kultusminister Bernhard Rust vorstellte. In der Folge erhielt er die Berufung auf einen Lehrstuhl an der Kunstakademie Düsseldorf und wurde Nachfolger von Paul Klee, der seinen Lehrstuhl verlassen musste, da er den Nazis nicht mehr genehm war. Dieses war der Beginn einer Freundschaft mit dem Kriegsmarineoffizier und Maler Fritz Witschetzky.

1934 besuchte er den Reichsparteitag. In diesem Jahr kam es zur Eröffnung einer "Gemeinschaftsausstellung deutscher Künstler" in Düsseldorf sowie zur Teilnahme an der Biennale in Venedig. Hamburger Studenten entdeckten frühe expressionistische Arbeiten Radziwills in einem Bodenraum der Hamburger Kunstschule.

Eine Fahrt auf dem Panzerschiff „Deutschland“ 1935 hinterließ bei Radziwill einen tiefen Eindruck. In dernationalsozialistischen Studentenzeitung "Die Bewegung" wurde Radziwillals „Kulturbolschewist“ denunziert. In der Folge kam es zur Beschlagnahmung eines Bildes im Auktionshaus Max Perl (Berlin), der Schließung einer Radziwill-Ausstellung in Jena und der Entlassung aus dem Lehramt in Düsseldorf wegen pädagogischer Unfähigkeit. Radziwill kehrte nach Dangast zurück und widmete sich dem Ausbau seines Hauses. Dazu äußerte sich Radziwill 1971 in einem Interview: „Dann hieß es: Raus aus der Partei und Ausstellungsverbot, und dann kam alle vier Wochen die Gestapo und guckte zu, was ich gemalt hatte. Und mit dem Ausstellungsverbot da war nun für mich die Saure-Gurken-Zeit angetreten - nach der Richtung hin, dass ich in der Öffentlichkeit nicht mehr erschien ...“

Trotzdem unternahm er von 1933-1939 Schiffsreisen als Gast der Marine nach Brasilien, den Karibischen Inseln, Nordafrika, Spanien, Großbritannien und Skandinavien.

Trotz der Rehabilitation 1936 durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda kam es im Folgejahr zum Verbot einer Ausstellung in Königsberg. Sein Gemälde "Die Straße" wurde beschlagnahmt. Bis 1939 wurden seine Bilder Cambrai, Narosz und Grab im Niemandsland als Kriegstriptychon in der Hamburger Kunsthalle gezeigt. Es folgten weitere große Einzelausstellungen in Köln und Wuppertal.

In der Nach-Düsseldorfer-Zeit engagierte sich Radziwill stärker als zuvor für die Nationalsozialisten. Am 4. Mai 1937 denunzierte er als Ortsgruppenpropagandaleiter zwei Dangaster Bürger. Er meldete die beiden dem Ortsgruppenleiter der NSDAP, weil sie bei einem Aufmarsch in Varel eine Gastwirtschaft besuchten, anstatt sich eine Rede Hitlers anzuhören. Im selbenJahr wurde Radziwill Hauptstellenleiter im Kreisstab der NSDAP.

Die Berliner Ausstellung Entartete Kunst zeigte 1938 drei frühe Bilder Radziwills, die er selbst als wertlose Malerei bezeichnete. Nach der Ausstellung kam es zu Absagen von Ausstellungen in Hamburg und Düsseldorf, zur Schließung einer Ausstellung in Frankfurt sowie zu Beschlagnahmungen von Bildern in Essen, Bremen und Berlin und zum Verbot weiterer Einzelausstellungen. Trotzdem erhielt er weitere Aufträge und verkaufte zahlreiche Werke. In der Ausstellung "Kunstschaffen im Gau Weser-Ems 1938" wurden drei Bilder von Radziwill gezeigt.

1939 bis 1941war er Soldat an der Westfront. 1941 wurde er aus Altersgründen vom Militärdienst befreit. 1942 leistete er Dienst bei der Luftschutzpolizei in Wilhelmshaven und bei der Feuerwehr in Dangast. Seine Frau Johanna Ingeborg starb im gleichen Jahr. Daraufhin entschloss er sich zu Aufenthalten an der Mosel und in der Steiermark.

1944 wurde erin der Maschinenfabrik Heinen in Varel als technischer Zeichner          dienstverpflichtet.

In den letzten Kriegsmonaten wurde er zum Volkssturm eingezogen und geriet in englische Kriegsgefangenschaft, aus der er jedoch wieder entfliehen kann.

Am 17. Januar 1947 erschien ein „Offener Brief“ des Malers Karl Hofer, in dem die Nazi-Vergangenheit Radziwills angeprangert wird. In einem Brief an Gerhard Marcks im März schreibt Hofer: Breker lässt auch mich indirekt bestürmen, aber diese Entnazifizierung scheint mir wirklich nicht möglich, obwohl er zum Unterschied von den Schweinehunden Nolde und Radziwill sich anständig und hilfsbereit verhalten hat.

1948 heiratete Radziwill im März Anna-Inge Rauer-Riechelmann, im Juli stirbt seine Mutter. Im September wurde Radziwills einziges Kind,seine Tochter Konstanze geboren.

1949 wurde Radziwill im Entnazifizierungsverfahren als„entlastet“ eingestuft.

1950 Erste Reise in die neugegründete DDR.

1952 Erster Auftrag des Wasserwirtschaftsamtes Wilhelmshaven, dem bis zum Ende der 50er Jahre weitere Aufträge für Bilder zum Thema Küstenschutz und Landgewinnung folgen.

1955 Die Jubiläumsausstellung zum 60. Geburtstag im Oldenburger Schloss wurde  in 16 weiteren deutschen Städten gezeigt.

1956 Eine Retrospektive in der Ostberliner Nationalgalerie stieß auf große Resonanz.

1958 Weiterer Ausbau seines Hauses in Dangast.

1959 Radziwill wurde Mitglied der internationalen Künstlergemeinschaft Ciafma, die einen fantastischen Realismus als Gegenströmung zur abstrakten Malerei propagierte und förderte.

1960 Reise in die Provence.

1963 Rompreis der Deutschen Akademie.

1964 Studienjahr in der Villa Massimo in Rom; Reise nach Griechenland.

1965 Großkreuz zum Niedersächsischen Verdienstorden.

1967 Otto Dix schlug die Aufnahme Radziwills in die Berliner Akademie der Künste vor. Der Antrag wurde abgelehnt.

1968 Radziwill lernte mit Emilio Bertonati seinen erfolgreichsten Kunsthändler kennen, der bis1970 viele Bilder an italienische Sammler verkaufte.

1970 Großer Niedersächsischer Staatspreis und Ehrengabe der Oldenburg-Stiftung.

1971 Großes Verdienstkreuz zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

1972 Aufgabe der Malerei aufgrund eines Augenleidens

1975 In diesem und den folgenden Jahren entstand im Landesmuseum Oldenburg durch Schenkungen und Leihgaben des Malers und durch Ankäufe die größte öffentliche Sammlung mit Werken Radziwills.

1978 Oldenburg-Preis der Oldenburgischen Landschaft.

1980 Zum 85. Geburtstag Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Oldenburg

1981/82 In der Staatlichen Kunsthalle in Berlin, im Landesmuseum Oldenburg und im Kunstverein Hannover wurde die größte Retrospektive zu Lebzeiten des Malers mit fast 400 Exponaten gezeigt.

1983 Franz Radziwill starb am 12. August in Wilhelmshaven.


 

 

Quellenangaben:

Andrea Firmenich, Roland März: Franz Radziwill. 1895 bis 1983. Das größte Wunder ist die Wirklichkeit. Monographie und Werkverzeichnis. WienadVerlag Köln ISBN 3-87909-381-4

Konstanze Radziwill und Hans Heinrich Maaß-Radziwill (Herausgeber): Franz Radziwill. Raum und Haus. Verlag C. J. Bucher ISBN 3-7658-0591-2

Eduard Dohmeier: Verstörende Bilder. Das Werk von Franz Radziwill im „Dritten Reich“. Isensee, Oldenburg 2007, 256 S., zahlr. farbige Illustrationen

Franz Radziwill Gesellschaft e. V.: Franz Radziwill. Blick nach Holland.Isensee, Oldenburg; ISBN 3-89995-187-5

Franz Radziwill. Bilder der Seefahrt. Hauschild Verlag, Bremen; ISBN 3926598689

Franz Radziwill Gesellschaft e. V.: Franz Radziwill - Aquarelle. Das Bild vor dem Bild. Isensee Verlag, Oldenburg; ISBN 3899954076

 

 

 

Hedwig Ranafier-Bulling

 

Hedwig Ranafier–Bulling hatte ihre Wurzeln im Oldenburger Land. Als Kunstmalerin ist sie in Vergessenheit geraten, und auch nur wenige wissen, dass sie eine Schülerin des Malers Georg Bernhard Müller vom Siel war.

Es gab bislang  nur wenige Anhaltspunkte, die auf die  Existenz dieser Künstlerin hinweisen. Ein Eintrag, der den Namen Hedwig Bulling, Oldenburg, Bismarkstraße 17 beinhaltet, ist auf Seite 139 im Dresslers Kunsthandbuch , herausgegeben  1930, zu finden.

Wer war die Malerin, von der nur äußerst selten Arbeiten auftauchen und die in dieser Region unbekannt geblieben ist?

Durchgeführte umfangreiche Recherchen können  nun zumindest einen kleinen Ausschnitt ihres Lebens wiedergeben.

Hedwig Dora Helene Bulling wurde am 1. November 1882 als eines von zwei Kindern des Revierförsters Wilhelm Friedrich Bulling (* 1846 ) und dessen Ehefrau Helene Johanne Margarete Bulling geb. Lauw ( *1855) in Streek geboren. Helene Bulling war die Tochter eines in Bockhorn ansässigen und dort bekannten Ziegeleibesitzers .

Wilhelm Bulling, Sohn eins Verwalters in Blankenburg, war seit 1868 im Forstverwaltungsdienst tätig und wurde am 8. September 1874 mit der Wahrnehmung der Verwaltung des Reviers Streek/ FD Oldenburg, betraut. Am 13. November 1877 wurde er zum Revierförster ernannt. Bis  zu seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst am 1. September 1883 wohnte er mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern in der damaligen Försterei in Sandkrug in der Bümmersteder Straße 37.

Nachdem Wilhelm Bulling seinen freiwilligen Abschied genommen hatte, zog er mit der Familie in die Nähe von Goldenstedt und lebte dort einige Zeit.

Von Goldenstedt aus zog die Familie nach Hahn, wo Wilhelm Friedrich Bulling  das Gut Hahn pachtete. In Hahn  starb er am 19.Februar 1902.

Helene Bulling verlegte danach mit dem Sohn Friedrich Wilhelm und Tochter Hedwig ihren Wohnsitz nach Nethen und lebte mehrere Jahre auf dem erworbenen Gut Nethen.

Als der Sohn heiratete, zog Helene von dort aus nach Oldenburg in die Bismarkstraße 17.

Anzunehmen ist, dass sich Hedwig Bulling  bereits früh intensiv mit dem Malen und Zeichnen auseinandergesetzt hatte und dass ihre künstlerische Ausbildung unter einer fachkundigen Anleitung geschah, zumal sie später zeigte, dass sie versiert in der Porträt- und Landschaftsmalerei war  und die Aquarell-, Pastell-und Ölmalerei ebenso beherrschte wie die Rötel- und Kohlezeichnung.


 

Ab 1900 unterhielt der akademisch ausgebildete Maler Georg Müller vom Siel einige Jahre eine private Malschule in Dötlingen , die er in den Sommermonaten für Frauen öffnete, weil diesen damals noch der Zugang zu einer Akademie versagt blieb. Neben Louise Roggemann, Gertrud Freifrau von Schimmelmann, Lily Fuhrken,Gretchen Francksen und Marie Stumpe gehörte auch Hedwig Bulling zu den Schülerinnen  des bekannten Malers, die sich von ihm vor allem in der Freilichtmalerei ausbilden ließen.

Wie oft  und in welchen Jahren Hedwig Bulling Gast des bekannten Landschaftsmalers war, ist nicht bekannt.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hielt sich Hedwig Bulling eine längere  Zeit in München auf und genoss dort eine weitere professionelle künstlerische Ausbildung. Da ein Studium für Frauen an der Kunstakademie in München erst ab 1920 möglich war, kann davon ausgegangen werden, dass sie ein  Studium an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München absolvierte. 

Nach ihrer Ausbildung kehrte die nun vollends ausgebildete Malerin  nach Oldenburg zurück und trat dem Oldenburger Kunstverein bei. Der Beitritt eröffnete Hedwig Bulling die Möglichkeit , sich an der 339. Kunstausstellung des Oldenburger Kunstvereins  zu beteiligen , die vom 15.11.1912 bis 15.12.1912 statt fand. Auf dieser Ausstellung präsentierte sie der Öffentlichkeit die Gemälde „ Haus mit Weinlaub“, „ Blick vom Goldberg bei Dötlingen“ sowie  „ Heidelandschaft“.

Sie hatte in dieser Zeit bereits den Schulfreund ihres Bruders Friedrich Wilhelm, den am 16.5.1881 geborenen Reichsbahnoberrat  Max Ranafier kennengelernt. Max Ranafier war ein Sohn des überregional bekannten Oberbaurates Heinrich Ranafier (1846  - 1930), dessen Name eng mit der Geschichte der oldenburgischen Staatseisenbahn verknüpft war und durch den der Lokomotivbau wesentlich geprägt wurde.

Nach der Eheschließung am 14.12.1928 ordnete sich Hedwig der beruflichen Karriere ihres Ehemannes völlig unter.

Das Ehepaar zog zunächst von Oldenburg nach Erfurt und am 24.6.1931 nach Essen in die Bismarkstraße 36 unweit der Eisenbahndirektion, die  am Bismarkplatz ihren Sitz hatte.

Vier Jahre später zog das kinderlos gebliebene Ehepaar in das Haus Grünhof 2 in Essen- Recklinghausen.

Am 20.5.1937 meldete sich das Ehepaar nach Berlin-Charlottendorf ( heute Berlin–Wilmersdorf) in die Soldauer Allee 12 ab.

Ein Jahr später blieb Hedwig eine längere Zeit allein in Berlin wohnend zurück. Ihr Mann, Max Ranafier,  begab sich von Berlin nach Bremen und reiste am 25.4.1938 von dort aus mit dem Schiff MS Europa nach New Yor . Ob berufliche oder politische Gründe für die Reise ausschlaggebend waren, liegt im Dunkeln. Ebenso ließ sich die Dauer des Auslandsaufenthalts nicht feststellen.

Am 15.7.1940 fand noch einmal innerhalb Berlins ein Wohnungswechsel statt, und zwar in die Marienburger Allee 7.

Unmittelbar nach Ende des 2. Weltkrieges kehrten Hedwig und Max Ranafier Berlin endgültig den Rücken. Sie reisten zurück in ihre Oldenburger Heimat, wo sie von Verwandten aufgenommen wurden. Am 20.7.1945 wurden sie deshalb in Berlin amtlich abgemeldet.

 

Auf dem Gut Nethen, wo sie ein neues Zuhause fanden, lebten sie eine längere Zeit .In dieser Umgebung betätigte sich Hedwig künstlerisch nur  noch unregelmäßig und selten. Einige  Landschaftsgemälde ,wie der Neuenburger Urwald und Mallorca, als auch Porträtarbeiten von Verwandten, sind von ihr bekannt.

Am 15. Juni 1955 verstarb ihr Ehemann , Max Ranafier, der bis zu seiner Pensionierung zum Ministerialrat aufgestiegen war. Hedwig Ranafier -Bulling, die ihren Wohnsitz nach Oldenburg in die Ofener Straße 33 verlegt hatte, folgte ihm am 19.9.1961.

Sie wurde auf dem Neuen Friedhof in Rastede bestattet. Die Grabstelle wurde mittlerweile eingeebnet.

 

 

 Quellennachweis: 

 

1.     Standesamt Oldenburg, beglaubigter Sterbeeintrag Blatt Nr. 1291 vom 21.September 1961

     

3.     Standesamt Oldenburg, beglaubigte Heiratsurkunde Nr. 382, Aufgebotsverzeichnis 364 vom 14.Dezember 1928.

 

4.     „Die Maus“, Gesellschaft für Familienforschung ,Bremer Passagierlisten 1920 –1939,Archiv Ident.Nr.: A III15-25.04.1938 N.

 

5.     Gemeinde Hatten, beglaubigte Geburtsurkunde Nr. 63 vom 6.11.1882 über die 

Geburt von Hedwig Bulling

        

6.     Oldenburgische Försterchronik 1650 – 1950, Band 53, herausgegeben von Eilert Tantzen mit einer Kurzbiografie des Wilhelm Friedrich Bulling.

 

7.     Landesarchiv Berlin,Geschäftszeichen AB-II-To/293/09

 

8.     Stadtarchiv Essen, Tagebuchnr.:41-3-994/09

 

9.     Mitgliederlistedes Oldenburger Kunstvereins aus dem Jahre 1953

 

10.  Dresslers Kunsthandbuch aus dem Jahre 1930, Seite 139

 

11. Oliver Gradel – Kunstausstellungen im Oldenburger Kunstverein 1843 – 1914,herausgegeben von der Oldenburgischen Landschaft, Seite 33

 

12. Hugo Duphorn – Erinnerungen eines Oldenburger Malers, Seite 111, herausgegeben von Irla Duphorn-Kaiser,ISBN 3-87358-126-4

 

13. Interview mit  noch lebenden Verwandten der verstorbenen Malerin

 

14. Georg Müller vom Siel, herausgegeben vom Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg,ISBN 3-89598-594-5

 

15. Becky Sandstede – Eine Künstlerin auf dem Weg von der angewandten zur freien Malerei von Inken Dohrmann,ISBN 3-928577-24-7, Berlin, August 1996

 

 

 

 

Johann Ransleben


 


 


Die regionale Landschaftsmalerei im Oldenburger Land wurde in der Vergangenheit in der Hauptsache durch akademisch geschulte Kunstmaler geprägt. Die Qualität ihrer Arbeiten rief in der Öffentlichkeit Beachtung hervor, ihre Gemälde waren begehrt und wurden von solventen und kunstinteressierten Bürgern gekauft.
 

Sie machten sich dadurch einen Namen, der oftmals weit über die Grenzen des Oldenburger Landes hinaus reichte.
Neben diesen Persönlichkeiten gab es talentierte Künstler, deren Talent sich erst durch die Teilnahme an Mal-und Zeichenkursen bei Zeichenlehrern oder akademischen Malern entwickelte und ausgebildet wurde. Häufig konnten sie das Geld für ein fundiertes Kunststudium nicht aufbringen, oder es fehlte ihnen eine finanzielle Förderung, weil ihr Talent nicht erkannt und als brotlose Kunst abgetan wurde.
 


Viele Künstler schlossen sich später einem Interessenverband an, um dadurch sicherzustellen, dass ihre Arbeiten in Einzel- oder Gemeinschaftsausstellungen einer Öffentlichkeit präsentiert werden konnten. Auch diese Künstler erzielten auf diese Weise einen mehr oder minder großen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit.
Und schließlich gab es (allerdings waren es nur wenige Künstler), denen das
zeichnerische Talent in die Wiege gelegt wurde, die sich später zu überdurchschnittlich guten autodidaktischen Malerinnen oder Malern entwickelten. Sie hatten nie an einem Zeichen- oder Malkursus teilgenommen hatten und sich aufgrund einer gesicherten finanziellen Existenz in einem anderen Beruf nie darum bemüht, in einer Ausstellung ihre Arbeiten einem größeren Personenkreis zu zeigen.
 


Ein solcher Künstler war ohne Zweifel der Oldenburger Kunstmaler Johann Ransleben. Johann Ransleben wurde am 7.9.1906 in Minden als eins von insgesamt 5 Kindern des Stadtangestellten Karl Ransleben und dessen Ehefrau Paula, geborene Reinboth, geboren. 

Johann verlebte seine Kindheit in Minden und besuchte die dortige Volksschule. Er erlernte nach der Schule das Malerhandwerk. Nachdem er die Gesellenprüfung bestanden hatte, wurde er aufgrund fehlender Arbeitsaufträge entlassen.
Zwischenzeitlich hatte sich ein Bruder von ihm in Oldenburg nieder gelassen. Dieser meldete sich bei Johann Ransleben und offerierte ihm, dass Oldenburg bessere Arbeitsbedingungen vorweisen könne, um in seinem Beruf wieder  tätig zu werden.
 
Aus diesem Grunde verlegte Ransleben seinen Wohnsitz nach Oldenburg und fand im Jahre 1927 tatsächlich nach kurzer Zeit eine Anstellung beim Malerbetrieb Röben in der Blumenstraße. 

 Ein Jahr später heiratete Johann Ransleben die Oldenburgerin Minna Vahlenkamp, die er kurz nach seiner Ankunft in Oldenburg kennengelernt hatte.

Bei der Firma Röben arbeitete Johann Ransleben bis zum Jahre 1940, dann erhielt er den Einberufungsbefehl zum Kriegsdienst.
 
Sein Weg führte ihn während des Zweiten Weltkrieges u.a. nach Wismar, wo er eine Zeitlang stationiert war und nach dem 22.6.1941 in Richtung Russland abkommandiert wurde. weil er dort am Russlandfeldzug teilnehmen musste. 1945 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, wo er in dem Lager Kothlar Järve bei Narwa interniert wurde. Zusammen mit einem anderen Kunstmaler zeichnete und malte er für russische Offiziere und Lagerinsassen und tauschte diese Arbeiten hin und wieder 

gegen Lebensmittel ein. 1949 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und machte sich wieder auf den Weg nach Oldenburg.. Die bis dahin entstandenen Bilder musste er allesamt in Russland zurücklassen.
 

Im August 1949 erreichte er Oldenburg und hatte anschließend das Glück, seine Tätigkeit bei der Firma Röben wieder aufnehmen zu können.
Bei dieser Firma lernte er auch die miteinander befreundeten Kunstmaler Emil Brose und Otto Blanck kennen, die vorübergehend bei der Firma Röben eine Anstellung gefunden hatten.
Es ergab sich zwischen den drei Künstlern eine intensive und langjährige Freundschaft, die von geselligen Abenden mit den jeweiligen Familien und gegenseitigen Besuchen geprägt war. Bei solchen Besuchen wurde viel über Malerei und Kunst diskutiert und debattiert. Ständige Bemühungen von Emil Brose und Otto Blanck, Johann Ransleben zu überreden,  in den Bund Bildender Künstler einzutreten, schlugen allerdings fehl, weil  dieser es strikt ab lehnte, in einen Kunstverein einzutreten oder an Ausstellungen teilzunehmen. Er liebte es auch nicht, in einer Gruppe unterwegs zu sein, um gemeinsam zu malen oder zu zeichnen.
Deshalb gaben Brose und Blanck letztlich ihre Versuche auf, 

Ransleben für eine Mitgliedschaft im Bund Bildender Künstler zu begeistern.
Während Otto Blank und Emil Brose hin und wieder zu zweit unterwegs waren, liebte es Ransleben, allein auf dem Fahrrad die Gegend zu erkunden, wobei er das Ipweger Moor und den Stadtnorden Oldenburgs bevorzugte. Seine Eindrücke skizzierte er auf Papier und setzte sie anschließend, wenn er wieder nach Hause in die Flötenstraße kam, in Aquarell - oder Ölfarben um.
Bei aller Begeisterung für die Landschaftsmalerei liebte er dennoch das Malen von Blumenstillleben am meisten, weil er sich die Blumen ins Haus holen konnte, wann immer er wollte und sie stets präsent waren, wenn er sie auf Hartfaser oder Leinwand festhielt.
 
Bei der Firma Röben arbeitete Johann Ransleben bis in die 60er Jahre hinein. Eine während der Gefangenschaft in Russland aufgetretene Magenerkrankung machte eine Operation während der Kriegsgefangenschaft erforderlich. An den Folgen der damaligen Operation und der damals herrschenden mangelhaften ärztlichen Versorgung litt Ransleben auch noch Jahre nach Kriegsende. Diese Spätfolgen und der ständige Umgang in seinem Beruf mit gesundheitsschädlichen Farben führten schließlich dazu, dass er diesen nicht mehr ausüben konnte und in Rente gehen musste.

 In den folgenden Jahren widmete sich Ransleben intensiv der Malerei. 

Landschaftsdarstellungen, Blumenmotive, aber auch Porträts waren seine bevorzugten Motive. Schwerpunkt war dabei die Öl - und Aquarellmalerei.
Seine Arbeiten verkaufte er vorwiegend in seinem Bekanntenkreis und in seiner Nachbarschaft am Harmsweg, wo er sich 1959 ein Haus gebaut hatte. Fast alle Arbeiten befinden sich in privater Hand.
Johann Ransleben starb am 15.9.1980, er wurde auf dem Friedhof in Donnerschwee bestattet.


Quellenangaben:

 

1.Alle Informationen über den Lebenslauf des Malers Johann Ransleben stammen von unmittelbaren Angehörigen des Künstlers und sind im Sommer 2007 in Gesprächenerarbeitet worden.

 

Christel Rehling


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

Auf dem regionalen Kunstmarkt tauchen hin und wieder Ölgemälde mit

Landschaftsmotiven von einem Maler mit dem Namen Rehling auf. Diese Arbeiten fallen durch ihre besondere Maltechnik auf. Der Künstler arbeitet während der Entstehung des Bildes zunächst mit einem breiten Pinsel und reichlich Ölfarbe den Himmel und andere Bereiche des Bildes aus.

Anschließend geht er mit einem schmaleren Pinsel in die noch nasse Farbe und streicht Teile der Farbe wieder heraus. Durch dieses Hineingehen und das Verdrängen der Farben wird eine besondere Bildwirkung erzielt. Im weitesten Sinne erinnern einige dieser Arbeiten an Gemälde des niederländischen Malers Vincent Van Gogh. Da einige Landschaftsdarstellungen zweifelsfrei der Oldenburger Region zuzuordnen sind,l ag die Vermutung nahe, dass der Maler aus dieser Region stammt oder sich zumindest eine längere Zeit dort aufgehalten hat.

Nachforschungen haben diese Vermutung bestätigt. Es handelt sich bei dem Künstler um Arthur Christel Reling.

Er wurde am 23. Dezember 1898 in Steinhausen als eines von vier Kindern des

Gemischtwarenkaufmanns Johannes Reling (1870-1938) und dessen Ehefrau Helene geb. Oltmanns geboren.1 Steinhauses liegt in Nähe des Jadebusens und ist von den Orten Zetel, Bockhorn, Varel und Dangast umgeben.

Rehling wuchs mit seinem älteren Bruder und seinen beiden jüngeren Schwestern in

Steinhausen auf. Er besuchte dort zunächst die Volksschule und anschließend die

Bürgerschule in Neuenburg. Bereits als Kind hatte er großen Spaß daran, zu zeichnen.

Das Talent dafür hatte er offensichtlich von einem Großonkel geerbt.

Vater Johannes Rehling hatte bereits früh Zukunftspläne für seinen Sohn Christel

geschmiedet, denn er sollte später einmal das gut gehende Gemischtwarengeschäft in Steinhauses übernehmen.


 

Da es in dem Geschäft neben Waren des täglichen Bedarfs auch Eisenwaren und

Sämereien zu kaufen gab, war es erforderlich, dass der junge Christel und seine beiden Schwestern nach der Schule im väterlichen Geschäft mithelfen mussten. Als er die Schule beendet hatte, begann er in Elsfleth eine Lehre zum Lebensmittelkaufmann bei der Firma Edeka.

Rehling wurde, noch bevor er die Lehre beendet hatte, während des 1. Weltkrieges zum Kriegsdienst verpflichtet. 1917 wurde auch er, wie schon sein Vater und sein älterer Bruder vor ihm, nach Frankreich abkommandiert.2 An der Front legte Reling ein Tagebuch an, in welchem er seine Erinnerungen niederschrieb und Skizzen anfertigte, die heute einen Rückschluss zulassen, dass er sich unter anderem in Schatillow, Fillières, Montfaucon, Namur an der Maas und Pinon aufgehalten hat.


 

Nach Ende des 1. Weltkrieges kehrten sein Vater und Bruder unversehrt nach

Steinhausen zurück. Christel Rehling hingegen erkrankte im Krieg an Lungentuberkulose.

In Wildeshausen wurde er in der auf diese Krankheit spezialisierte Großherzogin-

Elisabeth-Heilstätte behandelt.4 Nach einem Jahr wurde er als geheilt entlassen, setzte seine Ausbildung in einem Geschäftsbetrieb in Norderney fort und beendete sie dort auch. Dann kehrte er nach Steinhauses zurück. 

Während er sich 1918 noch in der Heilstätte in Wildeshausen befand, musste seine

Familie in Steinhausen einen herben Schicksalsschlag verkraften. Vermutlich durch

Brandstiftung herbeigeführt, brannte das Wohn- und Geschäftshaus bis auf die

Grundmauern nieder. Zwei Jahre dauerte es, bis an derselben Stelle ein neues und etwas geräumigeres Wohn- und Geschäftshaus bezogen werden konnte. Christel Reling übernahm einige Zeit später das Geschäft seines Vaters und führte es jahrzehntelang erfolgreich weiter. 1929 heiratete er die aus Bockshorn stammende Else Johanne Warnken (1904 -1993).

Else Rehling unterstützte ihren Mann nach Kräften. Dadurch blieb ihm genügend Zeit, sich der Malerei zu widmen.


 

Vor allem an den Wochenenden fuhr er, mit Zeichenstift und Skizzenblock ausgerüstet, mit dem Fahrrad durch das Ammerland und Ostfriesland. Er hielt dabei interessante Landschaftsmotive und Gebäudeansichten auf Papier fest. Nach seiner Rückkehr machte er sich noch am selben Tag oder an den Wochenenden daran, die Skizzen auf Leinwand, Hartfaserplatten oder Sperrholz zu übertragen und anschließend in Öl auszumalen. Diese

Tätigkeit musste zügig vonstatten gehen, da die Farben nicht antrocknen durften. Da er über kein Atelier verfügte, arbeitete er tagsüber in der Wohnung am Küchenfenster. Um das Tageslicht einzufangen, hatte er dort seine Staffelei aufgestellt, um größere Bilder fertig zu stellen.


 

Diese Aufgabe beschäftigte ihn oft bis spät in die Nacht hinein. Kleinere Gemälde

entstanden an einem Stehpult im angrenzenden Lager des Hauses.

Die Grundlagen der Malerei erlernte Christel Rehling in den 20er Jahren von dem

Oldenburger Malerprofessor Bernhard Winter, bei dem er mehrere Monate Malunterricht genommen hatte. Bei ihm lernte Reling nicht nur den Umgang mit Plackafarbe, das Zeichnen mit Scriptol und die Linolschnitttechnik, sondern auch die Dimensionierung des

menschlichen Körpers. 1938 starb sein Vater, Johannes Rehling..

Nach Beginn des 2. Weltkrieges wurde Christel Reling zwar erneut zum Kriegsdienst verpflichtet, versah jedoch nur ein halbes Jahr Dienst in einer Schreibstube in Hannover und kehrte dann nach Hause zurück. Seine Arbeiten, die während und nach dem 2. Weltkrieg entstanden, litten in Folge unter der schlechten Qualität der ihm zur Verfügung stehenden Ölfarben. Diese „Kriegsfarben“ dunkelten bereits nach einiger Zeit nach und ließen die Gemälde düster aussehen. 

Die Qualität der Farben verbesserte sich in den nächsten Jahren jedoch merklich. In den folgenden Jahren unternahm Christel Reling mit der Familie immer wieder Ausflüge mit dem Fahrrad in die nähere Umgebung. Besuche von Verwandten führten ihn jedoch auch nach Westerstede, Oldenburg, Bad Zwischenahn und Ocholt. Auf diesen Fahrten fertigte er häufig neue Skizzen an, wovon einige später zu Ölbildern ausgearbeitet wurden. Eine

besondere Vorliebe hatte er für Burgen und Schlösser. Auf jeder seiner Reisen, die er unternahm, besuchte er diese Sehenswürdigkeiten und hielt sie auf Papier fest.

In den 70er Jahren verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Er litt an einer

Herzschwäche.

Am 22. August 1974 verstarb er im Garten seines Hauses. Christel Reling fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof in Bockhorn.


 

Während seines Lebens schuf Christel Reling eine unbekannte Anzahl von Ölgemälden, die alle seine unverkennbare Handschrift tragen. Lediglich eine Ausstellung wurde nach seinem Tode organisiert. Im Rahmen der 525Jahrfeier des Ortes Steinhausen wurden 54

Ölgemälde und 39 Skizzen von ihm „in der alten Schule“ ausgestellt. Reling schloss sich keiner Künstlervereinigung an. Da er sich in den Jahren in der Region einen Namen als Heimatmaler gemacht hatte, konnte er eine größere Anzahl seiner Arbeiten an

Einheimische verkaufen. Aus diesem Grunde sind heute viele Gemälde in privaten

Haushalten zu finden. Die Arbeiten Relings verdienen Beachtung, weil sie durch ihre einzigartige Malweise bestechen. Außerdem werden die heimatlichen Motive zeitgeschichtlich für die Nachwelt

immer bedeutsamer.

 

 

Quellenangaben:

1. Alle Informationen zu dem Maler Christel Reling stammen von der Tochter des Malers. Die Informationen wurden in Gesprächen erarbeitet. Außerdem schrieb die Tochter den Lebenslauf ihres Vaters aus ihrer Erinnerung nieder(Brief 3 Din-A4-Seiten) liegt vor.

2. Auszüge aus dem Tagebuch des Künstlers mit der handschriftlichen Bezeichnung Chr. Rehling 1917-1918-Erinnerungen und Skizzen.

3. Kopie des Rezeptes des San.-Rat Dr.Klingenberg, Leitender Arzt der Großherzogin-Elisabeth-Heilstätte.

4. Kopie der beglaubigten Abschrift aus dem Familienbuch Elges/Rehling vom 23. Juni 1962. 


 

 


 


 


 


 


 


 


 

Karl Friedrich Reinken  

 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

Die Oldenburger Maler Wilhelm Kempin und Gerhard Bakenhus, die zusammen mit der Malerin Marie-Meyer-Glaeseker den Begriff „Kreyenbrücker Schule“ prägten, erteilten während ihres künstlerischen Daseins einer größeren Anzahl Schülerinnen und Schüler aus Oldenburg und der Umgebung Zeichen- und Malunterricht.

Einige von ihnen machten sich anschließend einen Namen, andere sind  unbekannt geblieben.

Zu ihnen gehört Karl-Friedrich Reinken, ein Lehrer aus Ofen, der sich von Wilhelm Kempin unterrichten ließ.

Eine Fotoaufnahme, die ihn unter anderem zusammen mit Käthe Knutz, Marga von Garrel und Wilhelm Kempin zeigt, waren waren lange Zeit der einzige Hinweis darauf, dass es sich bei Reinken um einem Zeichenschüler Kempins handelt.

Nun kann das Leben des Kempinschülers nachgezeichnet werden.

 

Karl Friedrich Reinken wurde am 8. April 1887 als zweiter Sohn des Hauptlehrers Johann Hinrich Reinken in Hatterwüsting geboren.1901  verließ er 14jährig die Schule. Er entschloss sich, den Lehrerberuf zu ergreifen, musste jedoch aufgrund seines jungen Alters noch ein Jahr warten, bis er mit der Ausbildung beginnen konnte.Von 1902 bis 1907 besuchte er das Lehrerseminar und schloss dieses erfolgreich ab.

Am 1. Mai 1907 erhielt er eine Anstellung als Lehrer in Hure. Als der Hauptlehrer ein Jahr später in den Ruhestand ging, nahm Reinken  dessen Stelle ein.

 Bis 1910 blieb er an der Schule, dann folgte der Wechsel an eine Schule in Altenhuntdorf.

Ein halbes Jahr später bewarb er sich um eine Lehrerstelle in Ofen, weil geplant war, die Stelle in Altenhuntdorf mit einer Lehrerin zu besetzen.

Im Herbst des Jahres wurde die Stelle in Ofen frei, sodass sich Reinken dorthin verändern konnte..

Er bereitete sich zu dieser Zeit bereits intensiv auf das zweite Lehrerexamen vor. Durch diesen Umstand blieb ihm keine Zeit, sich aktiv am Dorfleben beteiligen zu können. Lediglich ein Mal in der Woche besuchte der musikalisch begabte Lehrer die Gaststätte“Feldschlösschen“, um dort in einem gemischten Chor mit zu singen.

Am 3. Juni 1911 bestand Karl Friedrich Reinken das Lehrerexamen.

 

Reinken hatte einige Jahre vorher seine spätere Frau Martha kennen gelernt. Als er sie am 2. Mai 1913 in Hure heiratete, hatte er Ofen bereits mit dem Ziel Neumoorhausen verlassen. Dort war  zum 1. Mai 1913 eine Hauptlehrerstelle frei geworden, um die sich Reinken erfolgreich beworben hatte.

Bis 1918 war Reinken an dieser Schule tätig. Im Verlaufe der Zeit brachte seine Frau Martha fünf Kinder zur Welt, von denen zwei Kinder im Vorschulalter starben.

 

Als 1914 der 1. Weltkrieg aus brach, wurde Reinken aufgrund einer Fingerverletzung, die er sich als Kind zugezogen hatte (bei einem Verwandtenbesuch in Rastede machten die Großeltern mit den Kindern einen Ausflug nach Oldenburg. Im Garten des Hofgärtners des Oldenburger Schlosses war ein Affe angebunden, dem  der junge Karl Friedrich Reinken einen Apfel reichen wollte. Der Affe biss nicht in den Apfel, sondern in den Finger der rechten Hand Reinkes. Hierbei wurde eine Sehne durchtrennt. Die Wunde wurde von einem Arzt anschließend nur ungenügend versorgt. Da die Verletzung erst sehr viel später entdeckt und operiert wurde, blieb dieser Finger steif),nicht zum Kriegsdienst verpflichtet.

Stattdessen beorderte man ihn dem „Landsturm ohne Waffen“zu.

 

Als es am 15.3.1916 zu einer erneuten Musterung kam, wurde er als „kriegsverwendungsfähig“ eingestuft und als Landsturmmann zum Oldenburger Infanterie-Regiment Nr. 91 abkommandiert.

 

Reinken wurde in ein Rekruten-Depot nach Oldenburg auf der„Alexander Heide“, dem ehemaligen Fliegerhorst, versetzt.

Aufgrund eines Herzfehlers, Reinken wurde während des Dienstes plötzlich ohnmächtig, musste er vorübergehend in einem Kriegsgefangenenlager in Edewecht in einer Schreibstube den Dienst versehen.

 

Einige Zeit später bekam er aufgrund eines ärztlichen Attestes die Mitteilung, dass er beurlaubt sei und an seinem Heimatort wieder Unterricht in der Schule erteilen solle.

Am 27.10.1916 erhielt er den Bescheid, dass er als kriegsuntauglich eingestuft worden sei. Er wurde daraufhin entlassen.

 

Reinken unterrichtete anschließend durchgehend über vierundzwanzig Jahre an einer Schule in Hemmelsberg.

Am 1. Oktober 1937 nahm er eine freigewordene Lehrerstelle als Hauptlehrer an der zweitklassigen Schule in Ofen an.

Als 1939 der 2. Weltkrieg aus brach, musste Reinken nicht daran teilnehmen, da er bei einer erneuten Musterung am 22.4.1944 wegen seines viel zu hohen Blutdrucks für kriegsuntauglich erklärt wurde. Dennoch wurde er  zum Volkssturm beordert, was für ihn aber lediglich einige Übungen mit der Panzerfaust beinhaltete.

 

Reinken war nicht nur musikalisch, er hatte auch zeichnerisches Talent. Um sich künstlerisch weiter zu bilden, nahm er im Zeitraum von 1939 bis 1942 an jeweils zwei Stunden in der Woche an einem Zeichenkurs bei dem Oldenburger Maler Wilhelm Kempin teil. In den Sommermonaten suchte die Schülergruppe das Eversten Holz auf, im Winter das Augusteum.

 

Als am 3. Mai 1945 kanadische Besatzungstruppen in Ofen einrückten, wurde das Wohnhaus Reinkes vorübergehend als Kommandostelle eingerichtet. In der Wohnung und den Klassenräumen der Schule wurden insgesamt 250  kanadische Soldaten einquartiert, die dort bis zum 13. Mai vorübergehende Unterkunft fanden.

Da er während dieser Zeit keinen Unterricht halten  durfte, wurde Reinken in Bad Zwischenahn zum Arbeitsdienst eingesetzt. Aufgrund seines angegriffenen Gesundheitszustandes wurde er jedoch kurz danach als „arbeitsunbrauchbar“entlassen.

Er widmete sich in den nächsten Tagen der Pflege des Schulgartens.

 

Als die kanadischen Soldaten aus Ofen abrückten, nahmen sie den überwiegenden Teil seiner  vor1 945 entstandenen künstlerischen Arbeiten mit. Diese Nachweise seines künstlerischen Schaffens sind bis heute verschollen.

Bis 1948 war Karl Friedrich Reinken Lehrer an der Schule in Ofen tätig. Er wurde dann aus gesundheitlichen Gründen zunächst beurlaubt und anschließend pensioniert.

Mitte 1950 wurden ihm und seiner Familie eine Wohnung in Oldenburg in der Kurwickstraße 18 zugewiesen.

Reinken las fortan in seiner Freizeit sehr viel; auch suchte er immer wieder das Eversten Holz auf, um dort zu zeichnen.

Er war außerdem Mitglied im Museumsbeirat und entschied in einer Kommission über Neuankäufe für das Museum.

 

Am 27. Februar 1952 erlitt er einen Schlaganfall. Einen Tag später, am 28.Februar 1952, verstarb er daran.

Karl Friedrich Reinken fand seine letzte Ruhe in Oldenburg auf dem Alten Osternburger Friedhof.


 

Quellenangaben:

 

Schriftliche Erinnerungen von Ilse Wegner geb. Reinken mitder Überschrift:“ Aus dem Leben meines Vaters Karl Friedrich Reinken, 8. April1887 – 28.2.1952


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 





Max Reinus



Über den in Oldenburg verstorbenen Kunstmaler Max Reinus ist relativ wenig bekannt. Hin und wieder tauchen von ihm gemalte  fein  ausgeführte Ölgemälde  mit Motiven aus der Stadt Oldenburg oder dem Umland, die er in Ölfarben auf Leinwand, Hartfaserplatte oder auch vereinzelt auf Holzplatte malte, auf. Selten sind Aquarelle, die er mit gleicher Sorgfalt anfertigte.

Obwohl diese Arbeiten heute stadthistorisch interessant sind, wurden sie in der Vergangenheit nicht oder kaum nachgefragt. Ausstellungstätigkeiten, an denen er teilgenommen hat, sind nicht bekannt, ebenso gehörte er keinem Berufsverband für Künstler an, sodass er nach seinem Tode schnell aus dem Bewusstsein kunstinteressierter Personen verschwand.

Max Reinus wurde am 14. Mai 1874 in Wilna geboren, studierte an der Kunstakademie in Petersburg. Er lebte bis zu seiner Vertreibung 1918 in der Region, dann  verlegte er seinen Wohnsitz nach Oldenburg. Mittlerweile hatte er Emma Reinus geborene Schoelke, die am 6. Mai 1878 geboren wurde, geheiratet. Ob Max Reinus ausschließlich von dem Verkauf seiner Ölgemälde seinen Lebensunterhalt bestreiten musste, ist nicht bekannt. Wenn dem so war, so dann ist davon auszugehen, dass er in kargen Lebensverhältnissen leben musste, wie es viele andere Künstler während dieser Zeit auch taten.

Das Stadtadressbuch von 1951 führt Reinus für den Artillerieweg 38 auf.

Er starb am 6. März 1951, seine Frau Emma folgte ihm am 10. August 1961. Beide fanden ihre letzte Ruhe auf dem Neuen Friedhof in Oldenburg.

      

Quellen:

 

1.     Stadtadressbuch von 1951

2.     2.Ausstellungskatalog vom 6.6.-20.6.1996 in Oldenburg, Lambertihof, Markt 22. Titel: Max Reinus – Oldenburger Bilder-

             

Hinweis: Wer Fotos des Malers oder von Ölgemälden besitzt, dem wäre ich dankbar, wenn ich sie hier einstellen dürfte.



 Hanna Richter


 


 


 


 


 


 


 


 



 

Hanna Richter wurde 1902 als Tochter eines ansässigen Kaufmanns in Oldenburg geboren. Nach dem Besuch der Cäcilienschule besuchte sie in Braunschweig eine Kunstgewerbeschule und erhielt dort ihre erste künstlerische Ausbildung. In Hamburg bereitete sie sich an der Staatlichen Kunstschule auf ihre Zeichenlehrerinnenprüfung vor, die sie auch bestand. Ihre erste Anstellung erhielt sie anschließend in Buer in Westfahlen. Sie kehrte anschließend nach Oldenburg zurück und unterrichtete als Zeichenlehrerin ab 1928 an der Cäcilienschule in Oldenburg. Neben ihr war zu diesem Zeitpunkt auch Georg Klages als Zeichenlehrer angestellt, der später an der Schule zum Oberzeichenlehrer ernannt wurde. Hanna Richter schuf Landschaften und Stillleben. Sie brachte aber auch Holz- und Linolschnitte  von ausgesprochener Eigenart heraus.


 

Quellen:

Der Oldenburgische Hauskalender oder Hausfreund auf das Jahr1935, S. 48.

Gerhard Wietek, 200 Jahre Malerei im Oldenburger Land, S.269.

Cäcilienschule 1867-1967- Hundert Jahre CäcilienschuleOldenburg, S. 31


 

Emma Ritter:


 

 

 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


Emma Caroline Georgine Ritter wurde am 18.12.1878 als Tochter des Mediziners und späteren Medizinalrates  Dr. med. Albrecht Friedrich Ritter und dessen Ehefrau Johanne Auguste Marie geborene Bödecker geboren.1879 zog die Familie von Vechta nach Oldenburg, wo der Vater eine Anstellung als Chefarzt am Peter –Friedrich–Ludwig - Hospital erhielt. Bereits während der Schulzeit entstand in ihr der Wunsch, Malerin zu werden.

Auf Empfehlung von Marie Stein-Ranke (1873 - 1964) begab sie sich 1898 vier Jahre lang in die Malschule von Professor Spatz in Düsseldorf und wurde dort in der Tradition der Düsseldorfer Historienmalerei ausgebildet.

Von 1903 bis 1905 setzte sie ihr Studium in einem Privatkreis bei Louvis Corinth in Berlin fort.

 

Anschließend ging sie nach München und studierte bei Theodor Hummel.

Im Jahre 1909 machte der Oldenburger Kaufmann und Kunstsammler Theodor Francksen  ( 1875 – 1914) dieMalerin auf die in Dangast arbeitenden „ Brücke“ - Künstler Karl Schmidt -Rottluff und Erich Heckel aufmerksam, die sich seit 1907 in Dangst aufhielten. Im September desselben Jahres fuhr Emma Ritter nach Dangast und traf dort mit Schmidt – Rottluff und der Kunsthistorikerin Rosa Schapire zusammen. Aus diesem Treffen entwickelte sich eine Freundschaft mit Schmidt – Rottluff und eine intensive Auseinandersetzung mit seinem Werk. Emma Ritter schloss sich den „Bücke-Malern“ an, ohne selbst Mitglied zu werden.

Emma Ritter war beeindruckt vom Schaffen der Künstler, der großartigen Kompositionen, verbunden mit einer tiefen Innerlichkeit der Darstellung und der vollen ruhigen Farbigkeit.

1910 beschickte sie gemeinsam mit Schmidt – Rottluff  und Erich Heckel die Jahresausstellung des Oldenburger Künstlerbundes, auf der sie mit zwei Ölgemälden  vertreten war.

In der Ausstellung des Oldenburger Kunstvereins im Jahre 1911 wurden ihre Arbeiten bereits stark farbig. Im selben Jahr zog sie nach Berlin und stand im ständigen Kontakt mit Schmidt – Rottluff, Heckel und Pechstein. 1912 wurde für sie das Jahr der künstlerischen Produktivität.

Bei den Holzschnitten sind die Einflüsse Schmidt – Rottluffs unverkennbar.

1912/3 lernte sie Lyonel Feininger in Berlin kennen, dem sie die Technik des Holzschnitts näher brachte. In den Berliner Jahren war sie auch häufiger zu Gast im Atelier Otto Müllers.

1923 erkrankte ihre Mutter so schwer, dass Emma Ritter wieder nach Oldenburg zurückkehrte.

Sie musste aus diesem Grunde auch ihren Künstlerkreis verlassen.

 

Zusammen mit den Oldenburger Künstlern Otto Naber, Richard tom Diek, Paul Schütte, Adolf Georg Niesmann, Nanne Suffrian, Hanna Hohnhorst, Berta Habers, Georg Klages, Wilhelm Kempin, Anna Martens und Jan Linnemann, alles Mitglieder im Oldenburger Künstlerbund, trat Niesmann  1926 in den Reichswirtschaftsverband Bildender Künstler Deutschlands ein.

Der Vorsitzende für den Gau Hannover des RVBKD war damals Carl Buchheister. Die Oldenburger Mitglieder wurden zunächst der Bezirksgruppe Bremen organisatorisch angegliedert. Es ist zu vermuten, dass der Eintritt  einiger der Künstler in den RVBKD seine Ursache in der schwierigen wirtschaftlichen Situation hatte, zumal sich der RVBKD zum Ziel gesetzt hatte, die wirtschaftliche Lage der Künstler zu verbessern, indem sie ihnen Vergünstigungen verschaffte. Zu einem Sommeraufenthalt nach Positano lud Adolf Niesmann seinen Schüler Kurt Sandstede ein.

 

1931 beteiligte sich Emma Ritter an der Ausstellung „ Die billige Wohnung“ der „ Vereinigung für junge Kunst“, die im Augusteum gezeigt wurde. Bei der Auswahl des Wandschmuckes ist Niesmann mit seinen Arbeiten neben denen von Jan Oeltjen, Elsa Oeltjen-Kasimir, Franz Radziwill, Emma Ritter, Fritz Stuckenberg und Wilhelm Tegtmeier vertreten.

 

 Es zog Emma Ritter nach einigen Jahren wieder nach Berlin. Von 1939 bis 1941 lebte sie in Wanne-Eickel und zog 1945, nach sie die Stadt vorübergehend verlassen hatte, wieder nach Berlin. Im selben Jahr wurde ihre Wohnung und fast ihr gesamtes Werk Opfer des Bombenkrieges. In den Jahren von 1944 bis1946 lebte die Malerin in Extern bei Rinteln und kehrte 1946 schließlich wieder nach Oldenburg zurück.1951 erlitt sie einen Oberschenkelhalsbruch, der ihr die Arbeit an der Staffelei unmöglich machte. Ihr weiteres Schaffen beschränkte sich daher auf die Aquarellmalerei.

1962 stellte die Galerie Wendtorf den erhaltenen Teil ihres Frühwerkes zusammen mit dem Alterswerk aus. Sie starb 1972 in Alter von 94 Jahren.

Emma Ritter war Mitglied im Oldenburger Kunstverein und im Bund Bildender Künstler.

 

Folgende Ausstellungen an der sie teilnahm, sind hier zur Zeit bekannt:

 

1. Ausstellung der Galerie Wendtorf in Oldenburg, Scheideweg 81, vom 15. Juli – 19. August 1962.

 

2. 31.6. Kunstausstellung im Oldenburger Kunstverein, 18.2.– 12.3.1906

 

3. 318. Kunstausstellung des Oldenburger Kunstvereins, vom 16.11.-16.12.1906

 

4. 322. Kunstausstellung des Oldenburger Kunstverein, vom 9.1. - 29.1.1908.

 

5. 1. Herbstausstellung des BBK Gruppe Oldenburg, vom 6. –27.10.1957 im Oldenburger Schloss.

 

6. Niedersächsische Kunstausstellung Oldenburg 1960 der im BBK zusammen geschlossenen Künstlergruppen, vom 2. Juli – 31. Juli 1960.


 

 

Quellenangaben:

 

1.     Oldenburger Jahrbuch von 1959, Band 58

2. Katalog zur Ausstellung Emma Ritter der Galerie Ursula Wendtorf vom15.7.-19.8.1962

3. Katalog zur Niedersächsichen Kunstausstellung Oldenburg 1960

4. Auflistung der Mitglieder des Oldenburger Kunstvereins 1953

5.Oliver Gradel - Kunstausstellungen im Oldenburger Kunstverein 1843 - 1914

6. Biografisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg

 

7. Oliver Gradel, Archiv und Sammlung „Des Oldenburgischer Kunstvereins“,

Seite 72, ISBN 3-89598-864-2


 

 

Frida Ritter

 

 

 

Frida Ritter wurde am 28. Februar 1853 in Alt-Treuenfeld bei Esensham als Tochter des Landwirts Johann Peter Ritter, geboren. Ihre Jugend verlebte sie bis zum 14. Lebensjahr in Strohausen, dann zog ihr Vater nach Oldenburg. Sie besuchte dort die Cäcilienschule. Als ihr Vater starb, kam die Malerin bald darauf zum Gut Wittenfelde bei Rodenkirchen und arbeitete dort.1869 fand sie Beschäftigung in einer Pension in Ehningen bei Reutlingen, anschließend arbeitete sie eineinhalb Jahre bei ihrem Onkel, Pastor Emil Ritterin Fedderwarden und im Anschluss daran bei dem Oberkammerrat Schloiser in Osternburg, Damm 2.

Nach kurzem Zusammenleben mit ihrer kranken Schwester fand Frida Ritter Aufnahme in der Familie des mittelniederdeutschen Lexikographen Dr.August Lübben, in dessen Hause sie sich entschloss, Zeichenlehrerin zu werden. Nach Unterweisung durch die Zeichenlehrerin Fenske, tätig an der Cäcilienschule, ging die Malerin zur weiteren Ausbildung nach Kassel, Stuttgart( bei Professor Keller) und zuletzt nach München. Dort lernte sie bei Professor Wilhelm Dürr. In München wohnte die Malerin von 1888 bis 1931, dann kehrte sie nach Oldenburg zurück, wo sie bei dem Schriftsteller und Privatlehrer Dr. phil. Fritz Strahlmann in der Meinardusstraße 12  wohnte. Mit Vorliebe malte Frida Ritter Portraits  unter anderem den Landrat von Boyna in Schloß Neustadt am Rübenberge . Mit ganzer Hingabe jedoch malte sie Blumenbilder und Stillleben.

In der Zeit vom 15.1.-5.2.1893 nahm sie an einer Ausstellung im Oldenburger Kunstverein teil und zeigte dort zwei Gemälde (Musik. Stillleben und Trauben- Stillleben).

Eines ihrer Gemälde „ Rosenstrauß“ befindet sich im Landesmuseum Oldenburg.

Die Malerin starb im Jahre 1937 in Oldenburg.


Quellenangaben:

 Gerhard Wietek-200 Jahre Malerei im Oldenburger Land, S. 270

Oliver Gradel, Kunstausstellungen im Oldenburger Kunstverein,1843-1914, S. 154

 


 

 Emil Rizek

 

 Emil Rizek wurde 1901 in Brittenau-Wien geboren. Er erlernte zunächst den Beruf des Elektroingenieurs und war einige Zeit im Betrieb seinesVaters tätig, gab diesen Beruf allerdings wieder auf.

Zwar besuchte er anschließend keine Kunstakademie, jedoch erhielt er von den Wiener Malern Anton Hlavacek und Carl Fahringer Unterricht und Anleitungen. Da er in Wien als Künstler nicht Fuß fassen konnte, unternahm er in den 1920er Jahren längere Studienreisen nach Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland und den Niederlanden. Oft hielt er sich dort jeweils eine längere Zeit auf.

Bei einer Reise nach Holland wurde er von der Haager Schule inspiriert.

Er unternahm im Zeitraum von 1928 bis 1931 eine erste große Weltreise, die ihn unter anderem nach Indonesien führte. Auf einer zweiten Weltreise, die von 1932 bis 1935 dauerte, besuchte er Kanada, die Vereinigten Staaten, Japan und Südafrika. 1938 unterrichtete er Malerei in Oakland Kalifornien.

Emil Rizek wurde während des Zweiten Weltkrieges 1941 zum Kriegsdienst eingezogen. Er betätigte sich als Kriegsmaler und Reporter und war vor allem in Finnland eingesetzt. 1945 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft und wurde 10 Monate im Lager Lütetsburg III interniert. Dort entstanden erste Arbeiten mit ostfriesischen Bildmotiven.

Nach Wien zurückgekehrt, reiste aber ab 1947 fast jedes Jahr aus Wien kommend nach Holland und Ostfriesland, dass ihm zur zweiten Heimat wurde.

Der österreichische Bundesminister für Unterricht verlieh ihm 1962 den Professorentitel.

Im März 1963 wurde Emil Rizek die goldene Ehrenmedaille von der Gesellschaft  Bildender Künstler Wiens für besondere künstlerische Leistungen verliehen.

1977 verlieh ihm die Ostfriesische Landschaft wegen seiner Verdienste um die künstlerische Darstellung Ostfrieslands das Indigenat.

Rizek war Lehrer am California College of Art. Ausstellungen fanden in Paris, Den Haag, Rotterdam, Batavia, Tokio, San Francisco, New York,Triest, Genua, Venedig, München, Aurich, Emden, Norden, Bunde, Dornum und Greetsiel statt.

1988 starb Emil Rizek in Bisamberg bei Wien Auf seinen Wunsch wurde er vor der ostfriesischen Küste seebestattet.

Zahlreiche seiner Werke befinden sich in österreichischen und deutschen Museen.

 

Quelle: 

Bildende Kunst in Ostfriesland, herausgegeben vom Ostfriesischen Landesmuseum Emden 2011, S. 173/174.

http://www.geringerat.com/bios/rizek.html

Galerie Kunstpunkt, Bernd Nagel, Emden

 

Christian Roos

   

Christian Roos wurde 1940 in Wilhelmshaven geboren. Er war Autodidakt und in verschiedenen Berufen tätig. In den Jahren 1963 bis 1972 war er als Werbegrafiker tätig. 1970 gründete er eine Bistro-Galerie. 1971 war er an der Gründung der Künstlergrppe „Art Formation“ beteiligt, zu welcher unter anderem auch Peter Geithe gehörte. 1972 nahm er an einer Ausstellung des Bund Bildender Künstler im Rathausturm Nordenham teil. Roos gehörte in Wilhelmshaven zu dem Künstlerkreis der sogenannten Janszen-Presse, zu denen unter anderem Rolf G. Klann, Heinz-Carl Wimmer, Klaus Zegenhagen, Peter Geithe, Kea Schwedes und Wilhelm Gerstenberger gehörten. Ross beherrschte die Zeichnung, Grafik und Malerei. Er beteiligte sich an vielen Ausstellungen, unter anderem in der Kunsthalle Wilhelmshaven und 1993 an einer vom Kunstverein Nordenham organisierten Ausstellung mit dem Titel: „Innenräume-Außenwelten“. Der Künstler starb 1998.

Wer weitere Informationen, Fotos pp. zu dem Künstler besitzt, dem wäre ich für entsprechende Informationen dankbar.

 

Quellen:

Gerhard Wietek – 200 Jahre Malerei im Oldenburger Land, S. 270

Kunst an der Jade- Wilhelmshaven 1912-1987

Wilhelmshavener Zeitung , Artikel vom 6.12.2012 über die Dezemberausstellung der Sezession Nordwest ( Ausstellung 6.12.2012 – 1.1.2013)– Werke verstorbener Künstler-

Internetauftritt des Kunstvereins Nordenham( kunstverein-nordenham.de)


 Jaques Jajen Roskamp

 

Jaques Jajen Roskamp wurde am 28. Februar 1865 in Ditzumerverlaat als Sohn des Arbeiters Hinderk Jajen Rauskam und dessen Ehefrau Renske Tönjes Pott geboren. Er besuchte in Jengum und Ditzum die Schule. Nach einer Schulgehilfenzeit in Ditzum ließ er sich anschließend in Aurich  auf einem Lehrerseminar zum Lehrer ausbilden. 1883 heiratete er Hyma Gerritdina Woortman (1862-1939). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.1888 legte er in Aurich das Lehrerexamen ab. In der Folge erhielt er Anstellungen in Wirdum und Terborg. 1891 bestand er seine zweite Lehrerprüfung. Noch im selben Jahr wurde er in Emden an der reformierten Klassenschule tätig , die später in die Bezirksschule 3 ( Wallschule) umgenannt wurde.

 

1902 reiste er nach Berlin und studierte an der Königlichen Kunstakademie bei Professor Mohn (1842-1911) und Professor Tallat. Bei ihnen ließ er sich zum Zeichenlehrer ausbilden.

Nach seiner Rückkehr wirkte er 1918 an der Bezirksschule 3 als Zeichenlehrer und Konrektorbis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1930.

 

Roskamp bevorzugte Motive der Emder Landschaft und Ostfrieslands. Studienreisen führten ihn durch Ostfriesland bis nach Holland, Exkursionen unternahm er mit seinen Malerfreunden Warring, Schrag und Thurn.

Von 1936 bis 1947 entstanden etwa 150 Gemälde.

Neben der Malerei war Roskamp auch als Autor heimatkundlicher Aufsätze  in Jahrbüchern und Zeitschriften tätig.

Seit 1929 nahm er an zahlreichen Ausstellungen in Emden, Norden, Aurich Oldenburg und Groningen teil. Er war Ehrenvorsitzender des Ostfriesischen Kunstvereins und gehörte ab 1934 der Reichskammer der bildenden Künste an.

Jaques Jajen Roskamp starb am 19.10.1949 in Emden.

 

Quelle:

 

Ein Beitrag von Heiko Jörn für die Ostfriesische Landschaft(BLO IV, Aurich 2007, S. 365-367)

 


 

Thaddäus Maria Roth


 


 

 

 


 


 


 


 


 


 Thaddäus Maria Roth O.P., bürgerlicher Name Wilhelm Roth,

wurde  am 26. Juni 1898 als drittes von sieben Kindern des Kirchen - und Dekorationsmalers Wilhelm Roth (1870-1948) in Köln geboren.

 

Recht früh entschied er sich, da die Familie eine sehr enge Freundschaft zu den nachbarlichen Dominikanern führte, selber auch Pater zu werden. Unterbrochen vom Kriegseinsatz 1916-1918, bei dem er  als Funker eingesetzt war, wurde er in Vechta ausgebildet und schließlich, da er aus Köln stammte, auch 1924 im Kölner Dom zum Pater geweiht.

 

Durch seine von Zuhause aus starken künstlerisch geprägten Erziehung und seinem Talent begann er im Kolleg St. Thomas in Vechta erfolgreich eine Kunsterziehung für die dortigen Schüler aufzubauen und war dort auch als sehr beliebter Kunsterzieher nicht nur in der Richtung Malerei tätig.

 (Aus der Chronik des Kollegs von 1929: "Den Kunstwerkstätten von P. Thaddäus Roth werden ein Zeichensaal und eine Abteilung für Schlosserei, Schreinerei, Buchbinderei und Lichtbildkunst angeschlossen.") In allen Fächern hatte Roth auch eine abgeschlossene Ausbildung durchlaufen. Nach der Zwangsauflösung des Kollegs 1939 durch die Nazis wurde er in Berlin Prior.

 

Dort versuchte er auch seinem ältesten Bruder Joseph (1896-1945, Märtyrer der kath. Kirche, Wikipedia), der 1944 aus religiösen und politischen Gründen in KZ-Haft gekommen war, zu helfen.

 

!947 kehrte er zurück ins neu aufgebaute Kolleg nach Vechta und übernahm wieder seine Aufgabe als Kunsterzieher. 1952, plötzlich erkrankt, starb er am 12. Oktober in seiner Geburtsstadt Köln. Begraben wurde er in seinem Kloster in Vechta.

 

1932: 1. Ausstellung im Kloster Vechta(Bilder)

1949: 2. Ausstellung im Kloster Vechta(Bilder und Krippen)

2002: Teilausstellung im Zeughaus inVechta

2010Teilausstellung im Industriemuseum Lohne

 

Quelle:Josef Roth, Großneffe des Künstlers.


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

Ernst Rufer


 


 


 


 


 


 


 


 

Der Maler und Bühnenbildner Ernst Rufer wurde am 24.4.1904 in Malterdingen/Breisgau

als ältestes von fünf Kindern des Sattlers und Polsterers Ernst Rufer und dessen Ehefrau Clara geborene Bloch geboren. Neben der Sattlerei führten die Eltern in Malterdingen ein kleines Lebensmittelgeschäft und betrieben etwas Landwirtschaft. Ernst Rufer wuchs in dieser ländlich geprägten Umgebung auf und wurde dort auch eingeschult.

Um 1917 verzog die Familie von Malterdingen nach Dortmund, wo ein Bruder Clara Rufers ein Bauunternehmen führte. Clara Rufer eröffnete in Dortmund einen Milchladen. Ihr Mann hatte sich einen Verkaufswagen angeschafft und verkaufte Kohlen und Kartoffeln. Schon nach kurzer Zeit warfen die Geschäfte soviel Gewinn ab, dass die Familie davon leben konnte. Häufig mussten Ernst Rufer mit seinen Geschwistern im Geschäft der Eltern

mithelfen, indem sie unter anderem die mit frischer Milch neu gefüllten Milchkannen zu den Kunden bringen mussten.

Als er die Volksschule absolviert hatte, besuchte er zunächst die Handelsschule.

Anschließend begann er in Dortmund eine Malerlehre in einem Malereibetrieb, die auch Dekorationsarbeiten für Theater anfertigten. Diese Ausbildung war maßgeblich

verantwortlich dafür, dass sich Ernst Rufer entschloss, Bühnenbildner zu werden.1

Es folgte eine erste bühnenbildnerische Tätigkeit in Duisburg, gefolgt von einem Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf in den Jahren 1924 bis 1928 unter Leitung von Professor Walter von Wecus (1893–1977) dem die Leitung der Klasse für „ Bühnenkunst“ übertragen worden war.


 

Mit der Berufung an das Landestheater in Oldenburg erhielt Rufer 1928 sein erstes

Engagement als Bühnenbildner. Er fand in Oldenburg eine Wohnung im Steinweg 40.

Rufer folgte Walter Giskes, der von 1924 bis 1927 am Landestheater tätig war und

Oldenburg in Richtung Dortmund verlassen hatte.


 

Bis 1932 wirkte Ernst Rufer am Oldenburger Theater. Unter seiner Führung arbeitete

während dieser Zeit unter anderem Bernhard Halboth als Theatermaler. Einen Kontakt pflegte er auch mit Jan Harm Bakenhus, dem Sohn von Gerhard Bakenhus, der gerade in dieser Zeit am Oldenburger Theater volontierte. Schon während der Studienzeit an der Kunstakademie in Düsseldorf hatte er Almut Bakenhus, die Tochter des Oldenburger Moormalers und spätere Ehefrau des Regisseurs Peters kennen gelernt. Eine lebenslange enge Freundschaft ergab sich damals auch mit Adolf Niesmann. Als Bühnenbildner schuf Rufer viel beachtete Bühnenbilder, unter anderem für die Inszenierung von Alban Bergs „ Wozzek“( Premiere am 5.3.1929).

Wie hoch schon damals die Qualitäten seiner Arbeiten von Fachleuten eingeschätzt

wurden beweist die Tatsache, dass er an einer Ausstellung der Vereinigung für junge

Kunst vom 16. Februar bis 9. März 1930 im Augusteum in Oldenburg teilnehmen durfte.

Bei der sogenannten Bühnenbildausstellung wurden neben Arbeiten von den damals

führenden Bühnenbildnern Rochus Gliese, George Grosz, Heinrich Heckroth, Cesar Klein, Laszlo Moholy-Nagy, Caspar Neher, Wilhelm Reinging und Oskar Schlemmer auch seine wichtigsten Arbeiten gezeigt.

1932 wurde für Ernst Rufer die Situation in Oldenburg schwierig. Der damalige Intendant Hellmut Goetze wurde von den Nationalsozialisten unter der Leitung von Gauleiter Karl Röver angefeindet, was sich zwangsläufig negativ auf seine Arbeitstätigkeit auswirkte. Als die NSDAP im Oldenburgischen Landtag die Mehrheit erobert hatte, wurde Hellmut Goetze umgehend gekündigt. Als dieser unmittelbar danach ein Engagement an einem Theater in Magdeburg erhielt und Oldenburg verließ, schloss sich Rufer ihm an. Ein Jahr später, nach der Machtergreifung 1933, erhielten Goetze und Rufer die Kündigung.

Seine Verbindungen zu Oldenburg blieben trotz seines Wegganges aus Oldenburg

bestehen.

So heiratete er 1933 in Oldenburg seine erste Frau Luise, die einige Zeit danach einen Sohn zur Welt brachte. Dieser erhielt auch er, so wie er selbst und Rufers Vater, den Vornamen Ernst.

Während der Anstellung in Magdeburg schuf Ernst Rufer unter anderem das viel

beachtete Bühnenbild von Calderons „ Der Richter von Zalamea“. Nach der veranlassten Kündigung am Magdeburger Theater wurde 1934 das von der Reichstheaterkammer verhängte Arbeitsverbot wieder aufgehoben. Rufer nahm daraufhin ein Angebot des Stadttheaters in Aachen an. Nach nur einer Spielzeit verließ er Aachen in Richtung Krefeld. 

Anschließend, von 1938 bis 1942, fand er unter der Führung von Alfred Noller am

Theater in Essen eine neue Wirkungsstätte. Herauszuheben sind während dieses

Engagements insbesondere die Bühnenbilder zu Raimunds „Alpenkönig und

Menschenfeind“ sowie zu Shakespeares „Sturm“ und Schillers „Turandot“, die für viel

Beachtung Anerkennung sorgten.


 

Die Ehe mit seiner Frau Luise verlief unglücklich und wurde zwischenzeitlich geschieden.

Um 1938 heiratete Rufer erneut. Seine aus Essen stammende Ehefrau brachte Tochter Carmen auf die Welt.

Aufgrund eines von den Nationalsozialisten erteilten Berufsverbotes reiste Rufer in die Niederlande und arbeitete von 1942 bis 1944 am Deutschen Theater in Den Haag.

Gemeinsam mit Dr. Wolfgang Rufer war er dort 1942 unter anderem an einem Bühnenbild für die Oper „Don Giovanni“ beteiligt. Er immigrierte anschließend gemeinsam mit Dr. Nufer und dessen Ehefrau in die Schweiz. Dort wurden sie bis Kriegsende in einem Kriegsgefangenenlager interniert. Unmittelbar nach Kriegsende und der damit verbundenen Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, reiste Rufer nach Zürich und hielt sich zunächst bei Freunden auf. Bis 1949 blieb er in der Schweiz und wirkte bis 1949 unter der Leitung von Dr. Oscar Eberle an den Festspielen in Luzern, Einsiedeln, Bern, Zürich und Lindenberg mit. Es folgte ein kurzes Zwischenengagement am Operettentheater in Villingen.8 1949 verstarb sein Sohn Ernst. Dieser hatte zeitweise im Oldenburger Malersaal als Volontär gearbeitet. Zu beklagen hatte er auch den Tod seiner Frau im selben Jahr. 1950 kehrte Rufer nach Oldenburg zurück. Er fand zunächst in der Taubenstraße 10, dann in der Brüderstrasse 33,11 eine neue Wohnung.

Er übernahm am Oldenburgischen Staatstheater als Bühnenbildner die Nachfolge von Otto Wachsmuth. 1949/50 trat er dem Bund Bildender Künstler, Landesgruppe Oldenburg, bei. Obwohl er die meisten Bühnenbilder in Mischtechnik ausführte, beschäftigte er sich in seiner Freizeit hauptsächlich mit Aquarell- und Pastellfarben; auch Wachsfarben kamen zur Anwendung.


 

Seine Neigung war es, spontan ein Stück erlebte Wirklichkeit zu erfassen. In erster Linie entstanden auf diese Weise Landschaften. 1932 zeichnete er bei einem gemeinsamen Aufenthalt mit Adolf Niesmann in Positano Pastelle. Nach dem Kriege beschäftigte er sich künstlerisch mit Gebäuden und Wänden.

Der in seinem Umfeld als sehr offener, hilfsbereiter und freundlicher Mensch beschriebene Rufer, knüpfte in dieser Zeit viele Freundschaften mit anderen Oldenburger Künstlern.

Insbesondere zu Adolf Niesmann, Anna Maria Strackerjan, Heino Johannsen, Alfred

Bruns, Wolf Gerlach und Marie-Louise Ahlhorn-Packenius bestand eine engere

Freundschaft.12

Im selben Jahr, in der Zeit von November bis Dezember 1953, beteiligte sich Rufer an der Weihnachtsausstellung des BBK - Freie Gruppe - im Oldenburger Schloss.13 Als im Februar 1954 der BBK zu einem Kostümball einlud, lernten sich auf dieser Veranstaltung Ernst Rufer und Erika Reinken, eine Tochter des Lehrers und Kempinschülers Karl Friedrich Reinken, kennen. Im September des Jahres wurde Verlobung gefeiert.


 

Im Dezember 1954 nahm Rufer im Oldenburger Stadtmuseum an einer

Gemeinschaftsausstellung des BBK - Freie Gruppe- teil.14

Am 7. Juli 1955 heirateten Ernst Rufer und Erika Reinken in Oldenburg, im Dezember des Jahres erblickte Sohn Ernst-Oliver das Licht der Welt. Bis 1955 arbeitete Ernst Rufer am Staatstheater und schuf während dieser Zeit eine große Anzahl herausragender Bühnenbilder. Als er den Auftrag erhielt, in Hannover als Gast das Bühnenbild für die dortige „Wozzek“- Aufführung zu schaffen, verließ er das Staatstheater und ging als Bühnenbildner an das Landestheater in Hannover.

Bühnenbildentwurf zu „Ball der Diebe“, 42 cm x 65 cm, undatiert, unsigniert

Trotz der räumlichen Entfernung zu Oldenburg beteiligte er sich noch an zwei

Ausstellungen des BBK, und zwar Ende November 1955 in den Räumen des Kunstvereins im Oldenburger Schloss (Weihnachtsausstellung des BBK – Freie Gruppe) und an der

Ausstellung des BBK – Junge Gruppe – , ausgerichtet vom 9.12.1956 bis 6.1.1957 im Oldenburger Schloss.

Im Mai des Jahres brachte seine Frau Erika mit Swantje eine Tochter auf die Welt. 1957 verließ Rufer Hannover und nahm in Krefeld/Mönchengladbach an den Vereinigten Städtischen Bühnen ein Engagement an. Zehn Jahre war er dort tätig. Als der damalige Theaterleiter Herbert Decker 1966 als Intendant an das Stadttheater Würzburg berufen

wurde und 33 Ensemblemitglieder ihn dorthin begleiteten, folgte ihm auch Ernst Rufer nach Würzburg. 1970 wurden in Würzburg in einer umfangreichen Ausstellung seine Bühnenbildentwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt. Als die Spielzeit 1972/73 im Stadttheater Würzburg endete, stand im Großen Haus noch einmal die Operette „Paganini“ auf dem Programm. Es war das letzte Bühnenbild, das Ernst Rufer als Bühnenbildner des Theaters entworfen hatte. Zwar wurde er danach in den Ruhestand verabschiedet, stand dem Würzburger Stadttheater jedoch als Gast bis 1977 weiter zur Verfügung. 

Sein letztes Bühnenbild am Würzburger Stadttheater entwarf er für die Operette „Victoria und ihr Husar“. Sogenannte Gastverträge erhielt er auch von anderen Bühnen, zum Beispiel aus Lübeck. Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde ihm zu Ehren im Foyer des Oldenburgischen Staatstheaters vom 5. Mai bis 2. Juni 1984 eine Ausstellung mit insgesamt 65 seiner Arbeiten, bestehend aus Bühnenbildentwürfen, Aquarellen und Arbeiten in Mischtechnik, der Öffentlichkeit gezeigt. Ein Jahr später, am 1. März 1985, verstarb der Künstler in Würzburg. Ernst Rufer fand seine letzte Ruhe auf dem dortigen

Waldfriedhof. Ernst Rufer hatte trotz seines frühen Abschieds aus Oldenburg nie den Kontakt zu Oldenburg und seinen Künstlerfreunden verloren. Wann immer es möglich war, besuchte er mit seiner Frau die Stadt, um Bekannte, Verwandte oder Freunde zu besuchen. Sehr genoss er die ausgedehnten Spaziergänge in Dangst mit einer abschließenden Einkehr bei Kaffee und Kuchen im Alten Kurhaus.

2001 wurden Arbeiten von ihm im Theater Würzburg gezeigt und vom 17. Juni bis 13. Juli 2007 in der Galerie Professorium in Würzburg.19

Viele seiner Entwürfe befinden sich heute im Besitz des Theatermuseums der

Universitätsstadt Köln, Schloss Wahn.


 

Quellenangaben:

     

1.,5.,7.,9.,12. Handgeschriebener und unterschriebener 7 DinA4-Seiten langer Brief von Erika Rufer mit persönlichen Erinnerungen an ihren verstorbenen Ehemann, datiert vom 25.2.2011

     

2. 1.schaffendesvolk.sellerie.de/.../personen04.html

     

3. Adressbuch der Stadt Oldenburg aus dem Jahr 1929, S. 490

     

4.,6.,8. Kopie des Arbeitspapiers des Volkskundlers und Theaterwissenschaftlers Karl VeitRiedel über Ernst Rufer.

     

10. Adressbuch der Stadt Oldenburg aus dem Jahre 1929, Seite 49011. Adressbuch der Stadt Oldenburg aus dem Jahr 1954, S. 277

     

13. November bis Dezember 1953
Katalog zur Weihnachtsausstellung des BBK – Freie Gruppe - im Oldenburger Schloss .Teilnehmer: Ernst von Glasow, Eva Simmat, Heino Johannsen, Emma Ritter, Charlotte Mayer-Schomerus, Hans Schuster, Otto Nagel, Otto Blanck, Heino Korte und Emil Brose., Ernst Rufer Ausstellung des BBK - Junge Gruppe – in der Galerie Klose-Trenk und in der „Brücke“.

     

14.Katalog zur Ausstellung im Dezember 1954 im Oldenburger Stadtmuseum:Gemeinschaftsausstellung des BBK – Freie Gruppe- Teilnehmer: Heino Johannsen, Emil Brose, Otto Blanck, Otto Nagel, Eva Simmat, Georg Schmidt-Westerstede, Hein Bredendiek, Ernst vonGlasow, Willy Gerstenberger, Heino Korte, Emma Ritter, Hermann Holst und Charlotte Mayer-Schomerus, Ernst Rufer.

     

15. Katalog zur Ausstellung, Ende November 1955, in den Räumen des Kunstvereins im Oldenburger Schloss: Weihnachtsaustellung des BBK – Freie Gruppe –, Teilnehmer: Ernst Rufer, Heino Johannsen, Emil Brose, Otto Blanck, Hein Bredendiek, Werner Tegethoff, Eva Simmat, Karl Nagel, Bruno Westhäusler, Ernst von Glasow, Herrmann Schomerus, Charlotte Mayer-Schomerus, Heino Korte, Hermann Holst, Hans Schuster.

     

16.Zeitungsartikel der Würzburger Volksblatt-Volkszeitung vom 5.3.1985.

     

17. Ausstellungskatalog des Oldenburgischen Staatstheaters anlässlich des 80. Geburtstages Ernst Rufers

     

18. Telefonisch geführtes Interview mit Erika Rufer, geführt vom Verfasser am 19.2.2011 

19. Zeitungsartikel der Kitzinger Zeitung vom Freitag, den 6. Juli 2007.